Endlich war der Tag der Tage gekommen und ein weiteres Highlight stand uns nach langer Vorfreude bevor: HOBBITON, das Filmset der „Herr der Ringe“ und „Der kleine Hobbit“-Trilogien!

Lange im Voraus hatten wir es schon gebucht, unsere Tour startete um 11.00 Uhr morgens. Die Touren können übrigens im 10 Minuten Takt gebucht werden, was uns einen ungefähren Eindruck davon gab, was da so los sein würde.

Angekommen am Parkplatz ging es erstmal zum Check-In der Tickets, den wir gerade so schafften. Fünf Minuten später und wir wären nicht mehr reingekommen, aber zum Glück hat alles geklappt.

Um 10:55 Uhr ging es dann mit einem großen dünkelgrünen Bus mit goldener „Hobbiton Movie Set“ Aufschrift los zum tatsächlichen Filmset. Der Weg dorthin führte über die uns inzwischen wohl bekannten grünen Hügel und vorbei an einigen Schafen. Unser Tourguide nannte uns ein paar Eckdaten und erzählte uns, wie es zur Entstehung des Filmsets kam. Demnach handelt es sich um eine 1250 Hektar große Schaf- und Rinderfarm der Alexander Familie. Sir Peter Jackson, der Regisseur der „Herr der Ringe“ und „Der kleine Hobbit“-Filme ist selbst Neuseeländer und entdeckte die Farm im September 1998, als er mit einem Helikopter aus der Luft nach geeigneten Filmkulissen suchte. Die Bauarbeiten begannen im März 1999. Anfangs unterstützte die neuseeländische Armee die Erschießung und baute die 1,5 Kilometer lange Straße zum Set. Zunächst wurden 39 Hobbit Höhlen aus unbehandeltem Holz, Sperrholz und Styropor gebaut. Für „Der kleine Hobbit“ wurden später weitere fünf Hobbit Höhlen erbaut, sodass es nun insgesamt 44 Hobbit Höhlen gibt. Die Dreharbeiten für „Herr der Ringe“ begannen im Dezember 1999 und dauerten drei Monate. Die Dreharbeiten für „Der kleine Hobbit“ begannen im Oktober 2011 und dauerten lediglich 12 Tage. Teilweise befanden sich bis zu 400 Menschen gleichzeitig am Set.

Angekommen am Filmset begannen wir unseren Fußweg rein ins Vergnügen. Wir betraten das Gelände auf jenem Weg, auf dem Gandalf und Frodo mit dem Pferdewagen entlang kamen. Die Innenaufnahmen von Bilbo Beutlins Zuhause wurden in einem Studio in Wellington gedreht, da die Hobbit Höhlen nur Fassaden sind und maximal bis zu zwei Meter weit in die „Höhle“ hineinreichen.

Bezüglich der Größenverhältnisse, die besonders in diesen Filmen eine entscheidende Rolle spielen, wurde mit vielen Tricks gearbeitet. In der Szene in „Herr der Ringe“, in der Frodo und Gandalf zu Beginn des Filmes zusammen auf dem Pferdewagen sitzen, sitzt Frodo mit drei Metern Abstand hinter Gandalf, um dadurch kleiner zu wirken. Es wurde allerdings so geschickt gefilmt, dass es so aussieht, als sitze er direkt hinter Gandalf.

Wir schlenderten die schmalen Wege den Hügel hinauf und kamen immer wieder an Hobbit Häusern vorbei, an denen Fotos gemacht werden konnten. Beutelsend, das Zuhause von Bilbo und Frodo Beutlin, ist die größte Hobbit Höhle. Der Beginn des Flures ist so ausgestattet, dass man den Eindruck hat, man könnte in ein voll ausgestattetes Setting hineinblicken. Der Baum oberhalb von Beutelsend ist der einzige künstliche Baum am Set und wurde aus Stahl und Silikon hergestellt. Es wurden etwa 20000 Kunststoff Blätter hierfür aus Taiwan importiert. Für die Dreharbeiten zu „Herr der Ringe“ wurde eine große Eiche von einem örtlichen Farmer gekauft und mittels Kränen, Baggern und einem LKW ans Filmset gebracht. Die Äste des Baumes wurden dann anhand eines exakt berechneten Plans so hergerichtet und beschnitten, dass optimale Kamerawinkel für die Einstellungen ermöglicht wurden. Man entfernte alle natürlichen Blätter des Baumes und brachte die künstlichen genau an den gleichen Stellen wieder mit Draht an. Der Baum sitzt nun auf einem ca. einen Meter hohen Stahlstift.

Für uns war es faszinierend zu sehen, wie viel Arbeit in das Set gesteckt wurde. Unser Tourguide teilte uns mit, dass es noch einige solcher Beispiele gebe, in denen viel Arbeit in kleine Details gesteckt wurde, obwohl die fertigen Setstücke nur für ca. 4-7 Sekunden zu sehen waren im Film. Schon heftig, wenn man bedenkt, dass so viel Arbeit investiert wird für so kurze Zeit. Aber andererseits auch toll zu sehen, dass Perfektionismus groß geschrieben wird, selbst wenn es nur kleine Szenen betrifft, die erstmal nicht so wichtig erscheinen. Jetzt guckt man genau diese Aufnahmen mit einem ganz anderen Blick. Die Hobbit Höhlen sind einfach entzückend. Auch sie sind mit so viel Liebe zum Detail gebaut und dekoriert worden. Jeder Vorgarten hat seine eigenen Besonderheiten, wie etwa kleine Fenster, die aus dem Boden herausragen und verschieden dekoriert sind. Oder die vielen kleinen Wäscheleinen auf den Hobbit Höhlen Hügeln, an denen sehr kleine Kleidung befestigt ist. Wir bemerkten, dass es verschiedene Größen der Hobbit Höhlen gibt, die dafür gebraucht wurden, um die Größenunterschiede zu markieren. Ein erwachsener Hobbit umfasst eine Größe von ca. 1,64m, während Gandalf deutlich größer inszeniert wurde. Um dieses Größenverhältnis besser verdeutlichen zu können, wurde Gandalf beispielsweise vor den sehr kleinen Hobbit Höhlen gefilmt, um ihn größer erscheinen zu lassen. Auch verschiedene Zäune gibt es, die sich in der Höhe unterscheiden und innerhalb von fünf Minuten ausgetauscht werden können. War Frodo beispielsweise in der Szene, wurde der Zaun in größerem Maßstab benutzt.

Der Weg durch Hobbiton ist einfach zauberhaft, wobei man nicht außer Acht lassen darf, dass überall andere Touristengruppen herumlaufen, die die Magie des Ortes ein wenig gelindert haben. Natürlich ist es völlig klar, dass ein solches Filmset hoch frequentiert ist, allerdings war es trotzdem ein bisschen schade und wir haben es leicht bereut, nicht die früheste Tour um 8.00 Uhr morgens gebucht zu haben, um einen unberührten Blick über Hobbiton zu haben. Dennoch haben wir es sehr genossen und die kleinen Hobbit Höhlen und die Atmosphäre wirklich bewundert.

Nach unserem Spaziergang durch die Wohnlandschaft der Hobbits ging es weiter zum Green Dragon, dem Lokal. Es sieht genauso aus wie in den „Herrn der Ringe“ Filmen. Wir konnten auswählen zwischen einem traditionellen englischen Ale, einem Amber Ale, einem Apfel-Cider und einem alkoholfreien Ginger Bier. Finn entschied sich für das traditionelle Ale und Canan sich für den Cider. Alkohol zeigt definitiv schnell seine Wirkung auf leeren Magen und in der Mittagshitze, aber wir sind ja lustige Gesellen… Im Green Dragon wurde authentische Musik gespielt, wie sie auch in „Herr der Ringe“ auf dem Fest zu Ehren von Bilbos Geburtstag gespielt wurde. Dadurch wurde alles nochmal viel authentischer, was toll war. Die Atmosphäre erinnerte uns auch sehr an unsere heiß geliebten Mittelaltermärkte in Deutschland (bald wieder whoop whoop).

Die Geschichte, die uns mit am meisten gefallen hat, betrifft den letzten Teil der „Herr der Ringe“ Trilogie („Die Rückkehr des Königs“), in dem Sam von der Reise nach Hobbiton zurückkehrt. Begrüßt wird er von seiner Filmehefrau Rosie, deren Baby und deren kleiner Tochter. Wie wir erfahren haben, ist das Baby auf Rosies Arm ihr richtiges Baby im realen Leben und auch das kleine Mädchen, das aus der Hobbit Höhle auf Sam zuläuft, ist seine wirkliche Tochter. Sean Astin (Sam) hatte seine Tochter während der Dreharbeiten für 9,5 Monate nicht gesehen und die Szene mit einem neuseeländischen Mädchen geprobt. In der Szene im Film ist sein echtes Wiedersehen mit seiner Tochter zu sehen, die als Überraschung für Astin früher eingeflogen wurde und die er nun zum ersten Mal wiedersah, als sie aus der Höhle auf ihn zulief. Wie schön ist das bitte?

Lustig fanden wir auch, dass die Szene, in der Gandalf sich in Bilbos Haus den Kopf stößt, nicht geplant war, sondern aus Versehen geschah. Wenn man die Szene genau guckt, hört man angeblich im Hintergrund ein ganz leichtes Kichern von einer der Personen hinter der Kamera. Man beschloss allerdings, die Szene im Film zu lassen. Das nächste Mal werden wir definitiv darauf achten, wenn wir den Film gucken.

Es war für uns als „Herr der Ringe“ und vor allem als „Der kleine Hobbit“ Fans vollkommen klar, dass wir das Filmset besuchen wollten. Demnach war die Vorfreude riesig und wir können sagen, dass wir es nicht im Geringsten bereut haben. Wir haben es uns noch einen Tick schöner vorgestellt und insgeheim gehofft, dass es leerer ist, aber dennoch hatten wir einen fantastischen Mittag dort und wurden mal wieder in den Bann der Filme und des Auenlandes gezogen. Als Tipp für Interessierte: Bucht vielleicht wirklich gleich die erste Tour, sodass Ihr die ersten seid, die das Filmset betreten. Das macht es sicherlich nochmal magischer. Wenn wir das nächste Mal die Filme anschauen werden, wird es sicherlich ein ganz besonderes Gefühl sein und wir werden immer wissen, dass wir selbst über die schmalen Wege und Hügel gegangen sind, wie als wären auch wir echte Hobbits.

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Morgen beginnt ein neuer Abschnitt auf unserer Neuseelandreise. Unsere Zeit auf der wunderschönen und abenteuerlichen Nordinsel ist leider schon vorbei. Wir hatten eine unglaublich tolle Zeit hier, haben so viel erlebt, die Zeit mit großartigen Menschen verbracht und waren richtig glücklich. Wir sind aber mindestens genauso gespannt auf die nächsten 3 Wochen auf der Südinsel, die laut Aussagen aller Menschen, die wir hier gefragt haben, landschaftlich nochmal eine Nummer schöner sein soll. Wie das überhaupt möglich sein soll, können wir uns noch nicht richtig vorstellen, aber wir lassen uns ja immer gerne vom Gegenteil überzeugen und freuen uns. Dies ist also der letzte Eintrag von der Nordinsel und wir könnten ihn nicht hätten besser abschließen können, als mit Hobbiton.

Habt einen tollen Tag und macht es Euch schön im winterlichen Deutschland,

Eure

Canan & Finn

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