Nachdem wir gut ins neue Jahr gestartet sind, ging es für uns am 02. Januar zurück nach Taupo. Für die richtige Aussprache des Stadtnamens hilft die Eselsbrücke Toe (Fußzeh) und Paw (Pfote). Geplant war eigentlich nur noch eine weitere Nacht bei Dom zu schlafen und dann weiter Richtung Süden zu ziehen. Da aber der Angelsausflug von Dom abgesagt wurde, haben wir beschlossen noch für weitere Tage in Taupo zu bleiben und die Gegend genauer zu erkunden.

Begonnen haben wir mit den Huka Falls. Diese sind Wasserfälle des Waikata Flusses in Taupo. Besonders ist ihre Farbe, ein türkis farbenes Blau, dass dem Anblick etwas ganz besonderes gibt.
Anschließend ging es zu den „Craters of the Moon“, ein vulkanisches Gebiet mit Stegen und Kieswegen, die an Dampfquellen und brodelnden Kratern entlangführen. Ein sehr interessanter und beeindruckender Spaziergang.

Am nächsten Tag ging es früh morgens (7:30 Uhr und das im Urlaub…) los nach Rotorua, wo wir mit Dom und seiner Freundin Nicola Luging (Rennrodeln) machen wollten. Wir hatten zuvor 7 Runden online gebucht und waren schon mächtig gespannt, Canan hatte leichte Angst, da sie das zuvor noch nie gemacht hat. Nachdem wir uns in einem sehr leckeren Café ausgiebig gestärkt haben, begaben wir uns in einer Gondel auf den Berg, suchten uns Helme aus und stellten uns an. Uns wurde kurz erklärt, wie die Go-Karts funktionieren und dann ging es auch schon los. Erst haben wir uns vorsichtig herangetastet, wobei eigentlich nur Canan, Finn war voller Abenteuerlust und lieferte direkt in der ersten Runde ein Kopf an Kopf Rennen mit Dom ab… die Männer halt. Hat super viel Spaß gemacht! Und die Angst legte sich sehr schnell, da Canan zunächst von ca. 10-jährigen Kindern überholt wurde und auch sie schnell merkte, dass das Ganze gar nicht so schwierig ist. Die Zeit verging wie im Flug, sodass wir es zeitlich nicht schafften, die sieben Runden durchzuziehen. Wir vereinbarten, am Nachmittag nach der nächsten Action wiederzukommen, um die restlichen Runden zu rodeln.

Unser nächstes Highlight des Tages war: White Water Rafting. Finn hatte darin schon etwas Erfahrung, für Canan war es etwas gänzlich Neues. Da wir früh dort ankamen, nutzten wir die Zeit, um in der Mittagshitze Volleyball zu spielen und Lunch zu essen. Wir bekamen eine Einführung von einem sehr motivierten und offenen Mitarbeiter namens Harry und legten danach unsere Ausrüstung in Form von Schwimmschuhen, Helm und Schwimmweste an. Dann ging es auch schon ab in den Bus und los zum 10 Minuten entfernten Fluss. Im Bus klärte uns Jacky, eine wirklich wunderschöne Maori Mitarbeiterin, über Verhaltensregeln auf. Sollten wir bspw. mit dem Boot umkippen, sei es ratsam, sich ganz klein zu machen, den Kopf einzuziehen und an was Schönes zu denken. In der Zwischenzeit sei man dann auch schon wieder an der Wasseroberfläche. Da der Bus bereits voll war, als Canan hereinkam, saß sie vorne beim Fahrer und konnte Jacky nicht so gut verstehen, weshalb sie beim Aussteigen Finn nochmals über die Regeln befragte. Am Fluss angekommen, wurden wir in Teams eingeteilt. Bevor wir unser Boot ins Wasser ließen, erklärte uns Jacky mehr über den Fluss und über die Mythen darüber. Demnach heißt es, dass unter dem Wasserfall ein Grab für die gefallen Krieger liege und dass die im Fluss lebenden Aale die Krieger gegessen haben. Jüngere Krieger hätten dann wiederum die Aale verspeist, um durch sie die Kraft und Stärke der gefallenen Krieger zu verinnerlichen. Außerdem sprach sie ein „Gebet“ auf Maori, das den Fluss ehren sollte und alle, die ihn bereits betreten haben. Das hat uns wirklich gut gefallen, da es den respektvollen und wertschätzenden Umgang mit der Natur zeigt, die für so viele selbstverständlich zu sein scheint. Tja und dann ging es los. Harry erklärte uns, was wir machen sollen, wenn er „Hold“ und „get down“ sagt und so probten wir dies einige Male, bis wir ungefähr wussten, was zu tun ist. Canan hatte da bereits so ihre Zweifel und gelinde gesagt richtig Muffensausen. Die ersten Wasserschnellen waren aber super und unproblematisch, nichts kippte um, keiner fiel raus. Alles verlief so wie geplant. Es ging dann an die ersten beiden von insgesamt drei Wasserfällen. Zwei und drei Meter hoch waren die ersten und auch diese haben wir in der „get down“ Pose gekonnt gemeistert. Das nahm allen, vor allem Canan, viel Angst vor dem, was nun auf uns warten würde: Der größte Wasserfall, den man offiziell raften kann. Sieben Meter ist dieser hoch und er stand uns als nächstes bevor. Wieder gab Harry die Anweisung vorwärts zu paddeln und dann „get down“. Für „get down“ muss das Paddel in die Hand genommen und an den äußeren Rand des Bootes gelegt werden, sodass die Hand sowohl das Paddel als auch das Außenseil umfasst. Zudem muss sich mit der inneren Hand an einem Haltegriff im Boot festgehalten werden, die Füße müssen fest unter den vorderen „Sitz“ gestellt werden, man muss sich hinsetzen und die Stirn an die Knie anlegen. Bisher hatte dies super geklappt, aber wie man das so kennt, wenn es dann drauf ankommt geht alles schief. Nachfolgend schildern wir unsere Eindrücke einzeln, weil sie sich doch schon unterscheiden und es mal eine lustige Abwechslung ist.

Canan: Es ging den Wasserfall runter und ich bin echt langsam gewesen, was die Durchführung anging, sodass ich kurz vor knapp in der gewünschten Position saß, allerdings nicht richtig überzeugt von der Standhaftigkeit meines Griffes. Still saß ich also da, die Augen fest zugekniffen, weil das bekanntlich hilft, in der Hoffnung, dass wir nicht umkippen würden. Schnell spritzte viel Wasser in mein Gesicht und ich merkte, dass das Boot kippt. Ehe ich mich versah, war ich unter Wasser und das Boot kippte über mich. Nun mag man annehmen, das besonnene Menschen die Verhaltensregeln in solchen Fällen beachten – nicht ich… Ich brach einfach gekonnt in Panik aus, versuchte meine Frauenskraft zu nutzen um das Boot anzuheben, was jedoch völlig sinnlos war. Kurz dachte ich da an Jackys Worte, an was Schönes zu denken, weil man eh wieder auftauchen würde. Ich versuchte also meine Angst und Orientierungslosigkeit in den Griff zu kriegen, um bei einem normalen Raftingausflug nicht über die Wupper zu gehen. Kurz darauf oder auch schon direkt davor (Zeitgefühl nicht gegeben unter Wasser in Panik), traf etwas fest auf meine Nase, sodass diese echt wehtat. Irgendwann war ich wieder über Wasser und musste auf Anweisung unserer Instructors los schwimmen zu einer Stelle, wo wir uns sammeln konnten. Völlig neben mir schwamm ich also dorthin und kam wieder zu mir. Fazit: Meine Nase tat echt höllisch weh und ich dachte echt sie sei gebrochen und mein Fingernagel war schön mitten im Fleisch abgebrochen. Aber ich habe es überlebt, gemeistert und konnte es danach auch wieder mehr genießen, da von nun an kein riesiger Wasserfall mehr auf mich wartete.

Finn: Kurz vor dem Wasserfall, 7 Meter hoch – 3 Meter breit, haben wir nochmal angehalten und uns mental auf die wahre Prüfung dieses Nachmittags vorbereitet. Die vorherigen Wasserfälle haben wir wirklich souverän gemeistert, sodass man keinem im Boot Angst oder ähnliches angemerkt hat. Selbst Canan schaute mich mit einem Strahlen im Gesicht an. Dann ging es ziemlich schnell, „paddle forward“ und darauf „get down“. Nach einem kurzen Fall aus sieben Metern Höhe lag unser Boot auf dem Kopf und ich im Wasser. Als ich auftauchte, versuchte ich erstmal Canan ausfindig zu machen. Ich schaute mich also um und entdeckte vor mir eine Schwimmweste im Wasser. Da ich die Person für Canan hielt, habe ich sie kurzerhand kräftig am hinteren Kragen der Weste hochgezogen. Unser holländisches Bootsmitglied schaute mich genauso verblüfft an, wie ich ihn, als ich ihn aus dem Wasser zog. Kurz darauf entdeckte ich dann auch Canan – ohne Strahlen im Gesicht.

White Water Rafting ist auf jeden Fall eine abenteuerreiche Erfahrung gewesen, die vor allem für Menschen super ist, die das Element Wasser lieben und nicht fürchten. Es macht großen Spaß, sich dem rasanten Fluss des Wassers zu beugen und seine Kraft zu erleben. Die Erfahrung des Umkippens mag nun für Euch sicherlich total negativ klingen, was sie aber keinesfalls ist. Es gehört nun mal dazu, nass zu werden und auch mal umkippen zu können, aber genauso gehört es dazu, wieder aufzustehen und es erneut zu versuchen und dabei nicht den Spaß zu verlieren. Das haben wir keineswegs getan. Unser aktionsreiches 2019 setzt sich damit fort und wir haben es total genossen, einen Fluss mal anders zu erleben und diese Erfahrung vor allem mit anderen Menschen zu teilen. Inzwischen ist diese Erfahrung auch zu einer weiteren lustigen Geschichte geworden, die wir sicherlich noch oft und gerne erzählen werden.

Danach ging es schnell nochmal zu einem kurzen Stop am See und anschließend wieder zum Rennrodeln, denn es warteten noch vier weitere Runden auf uns. Dieses Mal in der beginnenden Abenddämmerung war es sogar noch schöner, da die Strecke teilweise mit bunten Lichtern beleuchtet war, die dem Wald und der Route etwas Magisches gaben. Erschöpft, müde und inzwischen hungrig ging es dann wieder mit dem Auto eine Stunde zurück nach Taupo, wo wir glücklich aufs Sofa fielen, noch viel lachten und noch mehr aßen.

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Habts schön Ihr Lieben,

Canan & Finn

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