Erstmal wünschen wir Euch allen ein glückliches, neues Jahr! Auf dass es voller Wunder sein wird und Euch viel Freude bringen wird. Kaum zu glauben, dass das Jahr 2018, in dem wir unsere Reise gestartet haben, schon wieder vorbei ist und ein vollkommen unbeschriebenes Jahr auf uns wartet. Dies ist der erste Beitrag in 2019 und somit der erste von noch einigen, die folgen werden. Spannend!

Silvester haben wir wie bereits angekündigt auf der Farm von Callums Familie, Doms Freund, verbracht. Also ein Silvester mit Kiwis. Die Einwohner Neuseelands bezeichnen sich selbst als Kiwis, in Anlehnung an den Kiwi Vogel, der das Nationalsymbol Neuseelands ist. Wir sind am 31.12.2018 mittags aus Taupo losgefahren. Die Fahrt dauerte 3 Stunden, wir haben einen Zwischenstop in Napier gemacht und haben dort Lunch an der Wasserpromenade im Sonnenschein gegessen. Angekommen auf Cal’s Farm, ging es wieder ans Zelt aufbauen und vorbereiten für die Nacht. Denn wie man Silvesternächte so kennt, ist man früh morgens nicht mehr so ganz in der Lage, noch irgendwas gut auf die Reihe zu kriegen. Danach gings für uns zu den anderen, wir waren insgesamt 9 Leute. Die Farm von Cal’s Eltern Hellen und Andrew umfasst 428 Hektar Land, sowie Schaafe, knapp 800 Milchkühe sowie weite Felder, die teilweise bepflanzt sind. Für Silvester hatte Cal einige Aktivitäten geplant, aber dazu später in Ruhe mehr.

Wir machten es uns auf der Wiese vor dem Wohnhaus der Eltern bequem und nach einer Weile begannen wir die erste Aktivität: Axt werfen – jap, richtig gehört. Cal hatte mit seinem Vater abgeschliffene Baumstämme übereinander gestapelt, auf die wir die Axt werfen konnten. Canan war erst zögerlich, aber nachdem sie die anderen Mädchen beobachtet hatte, hat auch sie schließlich Mut gefasst und die Axt geworfen. Kleiner Fakt am Rande: Dom hatte uns am Tag zuvor schon vorgelesen, was Cal alles an Aktivitäten für uns vorbereitet hatte und seitdem war Finn Feuer und Flamme dafür. Was den Grad an Aktivitätsmotivation angeht, gehört Canan tendenziell eher zu der ruhigeren, in der Sonne liegenden Sorte. So kommt es, dass Finn voller Energie war und sich sehr auf die Tage bei Cal freute. Er war dann auch direkt dabei, die Äxte schwungvoll ins Holz zu werfen. Den Abend verbrachten wir weiterhin damit, am Feuerkorb zu sitzen, Amsterdam Mule (Gin mit Gingerbeer- unser Lieblingsgetränk) zu schlürfen und mit den anderen zu quatschen und etwas über ihr Leben in NZ zu erfahren. Dazu gab es Marshmallows am Stock und Kekse, sowie Gegrilltes vom Barbecue Dinner. Das neue Jahr haben wir wahrhaftig glücklich und zufrieden begonnen, ganz im Einklang mit der Natur und dem atemberaubenden Sternenhimmel (sogar noch schöner als auf dem Zeltplatz am Meer).

Am nächsten Morgen wurden wir von Sonnenschein und blauem Himmel geweckt. Nach dem Frühstück hieß es für uns: Die Farm entdecken. Wir schwangen uns also alle auf einen alten Truck und Cal und sein Vater Andrew zeigten uns das Gelände und die Milchanlagen, in denen die Milch gezapft und verarbeitet wurde. Danach ging es zu den Kälbern, die gefüttert wurden. Das war eine so tolle Erfahrung, weil die Herde an Kälbern hinter unserem Truck hinterher trabte, in dem Wissen, gleich gefüttert zu werden. Kurz darauf standen sie dann schwanzwedelnd nebeneinander am Futterkrog. Als ob das nicht schon ein prächtiger Start in 2019 gewesen wäre, ging es danach direkt zum Tontauben schießen mit einer Schrotflinte. Wir übten erst und dann ging es los und die orangefarbenen Tontauben wurden per Geschoss in die Luft geschleudert. Finn war wieder Feuer und Flamme und es ist immer wieder wunderschön zu sehen, wie seine Augen beginnen zu glänzen, sobald es ein bisschen Action gibt. Für Canan war das erste Mal zu schießen, eine interessante Erfahrung. Vor allem der Rückstoß der Waffe kam überraschend und das Zielen hat sie auch nicht direkt verstanden, aber die gute Absicht zählt ja und Canan war sehr zufrieden mit sich.

Nach einem leckeren Mittagessen, bestehend aus den Resten des Vorabends, zur Stärkung der Aktivitätslustigen, ging es erstmal an den Pool: Sonnen stand auf dem Tagesprogramm, ganz zur Freude von Canan. Hier in der Sonne ist es wirklich unglaublich warm und entgegen fast jedem Neuseeländer, laufen wir selbstbewusst mit kurzen Sachen herum. Die Neuseeländer hingegen bedecken sich ziemlich, liegt wohl an ihrer Erfahrung und Sonnenkenntnis. Den ersten Sonnenbrand in 2019 schaffte Canan bereits am 01.01.2019, nicht schlecht muss man ihr zugestehen. Nach der kurzen Sonnenpause ging es mit dem Truck zu einem nahegelegenen Flussufer, an dem das Jet Boat zu Wasser gelassen wurde.

Neuer Absatz, weil die unglaublich witzige nachfolgende Geschichte hervorgehoben werden muss. Zuerst war Tim dran, der mit Andrew (Cal’s Vater) eine Runde im Jet Boot drehte. In der Zeit saßen wir wie gestrandete Makrelen am Ufer und warteten einfach. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, wie wenig man Finn seine Vorfreude angemerkt hat. Als Andrew zurückkehrte, sprangen wir also förmlich auf und stürzten uns zu ihm ins Boot. Es ging direkt rasant und kurvig los, ganz zu unserer Freude (ja, auch Canan hat es wahrhaftig geliebt und die ganze Zeit ihre Hände in die Luft gestreckt). Canan fragte, ob man zum Boot fahren einen Führerschein benötigte, woraufhin er lachte und dies verneinte. Andrew erklärte uns weiterhin, dass, wenn das Boot schnell genug in Fahrt ist, es nur 4-5cm Wasserhöhe benötigt. Dies ermöglichte uns, auch in den seichteren und steinigeren Flussteilen zu fahren. Er erklärte, dass das Fahren sich anfühle, wie als würde man mit einem Motorrad auf Eis fahren, sehr rutschig und teilweise unkontrollierbar. Als wir uns gerade zurück zu den anderen aufmachten (Canan hatte die Hände immer noch in der Luft), wollte Andrew das Lenkrad scharf nach links drehen, um die Kurve schnittig zu nehmen. Leider hatte die Mechanik des Lenkrades gänzlich anderes mit uns vor. Das Lenkrad verhakte sich und ließ sich nicht drehen. Als Folge dessen schafften wir die Kurve nicht, sondern steuerten mit hoher Geschwindigkeit geradewegs auf die Felswand zu, die den Fluss umgibt. Durch einen davor im Wasser liegenden, umgekippten Baum konnte unsere Geschwindigkeit zumindest etwas abgebremst werden. Der Aufprall war trotzdem ganz schön heftig, wenn man bedenkt, dass wir mit dem Boot geradewegs gegen die Wand fuhren. Wir sind aber zum Glück mit einem Schrecken und sehr viel Adrenalin davon gekommen. Daraufhin musste Finn aus dem Boot springen, um das Boot ans Ufer zu ziehen. Andrew versuchte währenddessen das Lenkrad zu reparieren. Er schaffte es tatsächlich und so ging es mit einem Schrecken und ohne Hände in der Luft weiter. Kurze Zeit später, erlebten wir ein Deja Vú, was keines war, denn: Es passierte wieder. Dieses Mal aber direkt in einer Kurve, sodass wir seitlich an die Felswand prallten und durch das Kippen des Bootes ordentlich nass wurden. Glücklicherweise ist uns auch hier nichts passiert. Während Finn also wieder ins Wasser stieg, um das Boot ran zu ziehen, ging Andrew im Boot wieder auf Tauchgang, um den Grund zu finden und das Lenkrad zu richten. Dabei holte er ein abgebrochenes Stück Metall hervor und lachte. Wie sich später herausstellen sollte, dient dieses dazu, den Drehvorgang des Lenkrades nach links ab einem bestimmten Punkt zu stoppen. Ohne dieses Metallteil ist die Lenkung unkontrollierbar. Nachdem es wieder „gerichtet“ war – inzwischen hatten wir ein bisschen Schiss weiter damit zu fahren – ging es Richtung der anderen. Nach kurzer Fahrtzeit schaute Andrew uns an und meinte: „Well, maybe you need a driver License.“ Wir alle lachten und waren froh, das nichts passiert war. Bei jeder Kurve zog Finn nun bereits amüsant seine Schulter ein, um sich auf einen weiteren Aufprall vorzubereiten. Am Ufer angekommen machten wir gekonnt und lustig wie wir sind den Running Gag „2019 already tried to kill us“ daraus und lachten alle. Während wir erwarteten, dass das Boot mit der defekten Lenkung nun eingepackt werden würde, entschloss sich Andrew mit Dom und seiner Freundin erneut rauszufahren. Nach einer durchaus längeren Zeit kamen sie wieder, Dom mit einer vermeintlich gebrochenen Hand, die er von einem Aufprall hatte. Hätten wir kaum erwartet, dass das wohl nochmal passieren könnte. 😀

Inzwischen können wir darüber lachen und müssen echt sagen, dass es eine ziemlich amüsante Geschichte ist. Allerdings dürft Ihr echt nicht unterschätzen, mit welcher Geschwindigkeit wir an die Wände geprallt sind. Das hätte leider auch ganz anders verlaufen können, siehe Dom. Aber 2019 – not this time.

Abends wurde dann wieder ausgiebig gegrillt und nochmal geschossen, dieses Mal auf eine Zielscheibe mit einem 22er Kaliber. Den Abend ließen wir weiterhin an einem riesigen Lagerfeuer ausklingen und gingen müde, ausgepowert aber glücklich schlafen.

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Unser Silvester 2018/2019 war wirklich klasse! Wir hatten die Möglichkeit einen authentischen Einblick ins Farmerleben von Neuseeländern zu erhaschen, Kühe zu füttern und so viel zu erleben. Auch bzw. besonders der Austausch mit den Kiwis war bereichernd und bedeutet uns viel. Es ist immer was ganz anderes, Zeit mit Einheimischen zu verbringen. Wenn man sie kennen lernt, sind sie Fremde, aber wenn man geht, sind sie Freunde, mit denen man Erinnerungen teilt. Wir haben auch tolle Tipps bekommen und Kontakte in anderen Städten. Unser Kiwi Kontaktnetz wird sich also glücklicherweise noch weiter ausweiten, worüber wir sehr dankbar und glücklich sind. 2019 hätte für uns nicht schöner und außergewöhnlicher beginnen können. Jetzt freuen wir uns aber auch wieder darauf, Neuseeland weiter zu erkunden.

Euch allen nochmal: HAPPY NEW YEAR und bis zum nächsten Mal,

Canan & Finn

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