Hallo,

wir haben einen Tag mit einem buddhistischen Mönch namens KK, verbracht. Da wir dort unglaublich viel gelernt und erlebt haben, dachten wir uns, wir widmen unserer 1 Day Meditation einen eigenen Beitrag. Für diesen Beitrag haben wir deutlich weniger Fotos als sonst, da es sich nicht ergeben hat und wir es auch nicht so wichtig fanden. Es geht also in diesem Beitrag mehr um den Inhalt und die Dinge, die uns besonders inspiriert haben.

Morgens um 9.00 Uhr ging es los und wir fuhren zum buddhistischen Tempel, der ca. 10 Minuten von unserer Wohnung entfernt liegt. Wir wurden von KK herzlich begrüßt. Mönch heißt auf thailändisch „phra“. KK ist nicht sein richtiger Name, sondern sein „Nickname“. Viele Einheimische die wir getroffen haben, haben einen englischen Nickname. Es soll die Kommunikation vereinfachen. Der Nickname KK kommt von seiner Mutter die ihn so als Kind genannt hat. Seine Mutter ist gestorben als er 7 Jahre alt war und sein Vater als er 12 Jahre alt war.

Zunächst brachte uns KK den Inhalt des Buddhismus näher, in dem er diesen geschichtlich einordnete und vom Prinzen Siddharta Gotama erzählte, der vor a. 2600 Jahren in Indien lebte. Gotama besaß aufgrund des Standes seiner Familie alles im Leben und musste nie leiden. Im Englischen sprach KK von „Suffering“. Als der Prinz eines Tages einen alten Mann, einen kranken Mann und einen Toten sah, verstand er, dass „Life is suffering“. Dass jeder Mensch, egal ob reich oder arm, Mann oder Frau eines Tages alt, krank und tot sei. Fortan beschloß er sein beschütztes, leidenfreies Leben zu verlassen und lebte für 6 Jahre im Wald, um dort unter einem Baum zu meditieren. In dieser Zeit hörte er auf zu essen und übte nur zu meditieren. Als er sein eigenes Leiden durch das Hungern spürte, erkannte er, dass es um die richtige Balance im Leben geht. Mit 35 Jahren gelang ihm das „Enlightenment“, er erwachte (awaken) und war als bisher einziger Mensch fähig, das Nirvana zu erreichen. Das Nirvana ist für die Buddhisten das höchste und letzte Ziel, es beschreibt einen Zustand vollkommen frei von Hass, Gier und permanentem Glück und Zufriedenheit.

KK erklärte uns, dass der Buddhismus keine Religion sei, sondern vielmehr ein „Way of Life“, in dem es um Achtsamkeit (mindfulness) geht. Die Grundsätze bestehen darin, Gutes zu tun, Böses zu vermeiden und den eigenen Verstand kontinuierlich zu trainieren. Als Hauptziel des Lebens beschrieb er, wahrhaftig glücklich zu sein und frei von negativen Gedanken. Zudem bestrebt der Buddhismus, dass man das Hier und Jetzt, den gegenwärtigen Moment, fokussiert und in ihm lebt und nicht in der Vergangenheit oder Zukunft.

Die Worte von KK und der Inhalt des Buddhismus haben uns sehr fasziniert, weil so viel Wahrheit darin liegt. Canan realisierte, dass sie oft wegen Kleinigkeiten sehr gestresst ist und sich in vieles reinsteigert, was eigentlich keine große Bedeutung hat. Und auch das Leben und Fokussieren im gegenwärtigen Moment erweist sich oftmals als schwieriger als gedacht. KK erklärte, es ginge darum, Dinge, Gefühle und Geschehnisse einfach zu akzeptieren, aber dann loszulassen und sich nicht an diesen festzuklammern. Dies bedürfe täglichem Training des Verstandes, um sich von Negativen zu distanzieren. Nur so gelinge es, glücklich zu sein und Gutes zu tun. Das sei auch immer an die Intention geknüpft, gutes zu tun und schlechtes zu vermeiden. Unterschieden wird dabei zwischen „Moral Training“, „Mental Training“ und „Wisdom Training“.

Weiterhin haben wir viel über Meditation und verschiedene Meditationsformen gelernt. Meditation ist das Konzept der mentalen Entwicklung im Buddhismus. Es gibt vier Formen von Meditation: gehend, stehend, sitzend oder liegend. Zum ersten Mal haben wir an diesem Tag meditiert. Wir sollten uns hinsetzen und konnten wählen zwischen einem Stuhl und einem Kissen am Boden, wir haben uns beide für das Kissen entschieden. Im Schneidersitz sitzend sollten wir versuchen, uns auf unsere Atmung, das konkrete Ein- und Ausatmen konstant zu konzentrieren. Bei jeglicher Ablenkung durch Geräusche oder andere Teilnehmer sollten wir versuchen, immer wieder zu unserer Atmung zurückzukehren und dafür aufmerksam zu bleiben. Gesagt getan. Es erwies sich als wirklich knifflig. Die ersten Minuten gelang es tatsächlich überraschend gut, aber es ist wirklich erstaunlich, wie schnell der Verstand abgelenkt wird durch Gedanken, Geräusche und anderes. Nun kann man diesen Gedanken nachgeben und endet in irgendwelchen Planungen, was man noch alles auf der Reise unternehmen will oder in unserem Fall, was man abends essen wird. Oder man kehrt zurück zu seiner Atmung (bzw. versucht es) und fokussiert, wie man die Luft ein- und ausatmet und wie sich dieses Gefühl im Körper anfühlt. Als KK die Meditation beendete, dachten wir beide es seien vielleicht 10 Minuten vergangen, bis KK uns sagte, wir hätten 25 Minuten meditiert. Und das war VERRÜCKT. Mit so einem falschen Zeitgefühl hätten wir wirklich nicht gerechnet und es war sehr erstaunlich, wie ruhig wir uns nach der Meditation gefühlt haben. Ok und ein bisschen müde schon auch.

Im Laufe des Nachmittages haben wir Meditieren im Laufen geübt. Klingt witzig, war aber echt anstrengend. Wir sind so ca. 8 Meter in 23 Minuten gelaufen. Man hebt den linken Fuß, bewegt ihn langsam und setzt ihn ab. Dabei haben wir alle im Chor gesagt: Left goes there, right goes there. Right – Fuß heben, goes – Fuß nach vorne bewegen, there – Fuß absetzen. Anstrengend und für uns auch ein bisschen komisch um ehrlich zu sein. Es sollte dazu dienen, sich über die einzelnen Schritte einer Bewegung bewusst zu werden. Von der Intention, den Fuß zu heben bis hin zur tatsächlichen Bewegung und dem finalen Absetzen des Fußes. Auch Aufmerksamkeitsübungen haben wir gemacht, um unsere Fähigkeit, etwas längerfristig zu fokussieren, zu verbessern. Die Übungen waren super und wir waren überrascht, wie viel leichter diese fallen bei geschlossenen Augen. Das liegt daran, dass man visuell unbewusst von vielem abgelenkt wird. Sind die Augen hingegen geschlossen, fokussiert man automatisch viel intensiver die Bewegungen an sich.

Beendet haben wir den Tag mit einer Diskussionsrunde, in der wir KK Fragen stellen konnten zu ihm, seinem Leben als Mönch und dem Buddhismus. Unter anderem, dass buddhistische Mönche 227 Regeln haben, unterteilt in Major Rules (z.B. du sollst nicht töten) und Minor Rules. Auch eine Regel ist es, dass nur von Sonnenaufgang bis 12.00 Uhr mittags gegessen werden darf. KK isst also nur einmal am Tag (ähm… wie soll das bitte gehen?!) und der oberste Mönch darf darüber entscheiden, was es zu essen gibt. Immer, wenn KK etwas erzählt hat, hat uns das am besten gefallen, weil er uns an seinem Wissen und seiner faszinierenden Art teilhaben ließ. Er strahlte eine Ruhe und gleichzeitig ein so enormes Wissen und Stärke aus. Am Ende sprachen wir alle eine Art Gebet, um alle Lebewesen zu ehren und ihnen Respekt zu erweisen.

Der Tag mit KK war bereichernd und eine völlig neue Erfahrung für uns. Während uns das erste Meditieren viel Spaß gemacht hat und wir echt überlegt haben, es zuhause zweimal täglich zu üben (wie KK es empfohlen hat), ist unsere Motivation im Laufe des Tages etwas abgeschwächt. Die Grundsätze des Buddhismus werden wir auf jeden Fall versuchen weiter zu befolgen und das kontinuierlich zu üben. Die Gegenwart zu fokussieren, Gutes zu tun, Schlechtes zu vermeiden und ungeplante Dinge einfach zu akzeptieren und dann loszulassen, ohne uns hineinzusteigern.

Wir sind überzeugt davon, dass das Leben dadurch bereits viel befreiter und glücklicher werden kann. Und auch unser oberstes Ziel ist es, wahrhaftig glücklich zu sein, ganz egal was mal ungeplanterweise passiert oder schiefgeht.

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„Your feelings don’t define who you are.“

So viel Wahrheit und Wichtigkeit steckte in KK’s Worten und wir werden diesen besonderen Tag, den wir mit einem buddhistischen Mönch verbracht haben, sicherlich nie vergessen.

Canan & Finn

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